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Formen von Lernen | erzwungen vs. natürlich

Formen des Lernens

Wir alle erinnern uns ans Lernen in der Schule: auswendig lernen, abprüfen, schämen. Dabei ist der natürliche Lernen-Modus Freude und Spaß..

Lernen begleitet uns alle ein Leben lang. Wir lernen jeden einzelnen Tag unseres Lebens. Ich würde sogar sagen in jeder Minute. Und das ist RICHTIG GEIL!
Aber es gibt unterschiedliche Formen, wie wir lernen.

Zwei monumentale Unterscheidungen sind: Erzwungenes & natürliches – freudiges, neugieriges – Lernen.

Erzwungenes Lernen

Unter „erzwungenem Lernen“ verstehe ich das Lernen, das wir aus der Schule kennen. (Das Wording ist nicht ideal, aber es beschreibt doch sehr pointiert, was ich meine.)

Es wird von uns verlangt, dass alle Schüler:innen gleichermaßen an Tag X einen gewisses vorgegebenes Wissenspaket abliefern können.
Es wird keinerlei Rücksicht auf Einzelpersonen genommen. Keine Rücksicht auf individuelle Interessen, Begabungen oder die aktuelle Neugier.

Natürliches Lernen

Die andere Form ist Lernen, das aus der Neugier und der Freude am Forschen des Individuums heraus entsteht.
Plötzlich werden die Augen groß, im Kopf poppen tausend Ideen, Fragen und abenteuerliche Szenarien auf. Es geschieht förmlich eine Explosion ins uns und wir wollen unbedingt – also wirklich UNBEDINGT – mehr über dieses spannende Thema erfahren.

Das ist wenn natürliches Lernen passiert. Wir beschäftigen uns aus unserer Freude heraus mit einem Thema oder einer Frage und finden Antworten, Möglichkeiten, Lösungen, weil es uns soooo brennend interessiert.

It’s all about the questions!

Wie funktionierts wirklich? STELL DIR FRAGEN!

Hört sich super simpel an? Ist es auch! Die Frage ist der Schlüssel zum natürlichen Lernen. Lerne dir gute Fragen zu stellen & du wirst ganz natürlich lernen. Wissen wird einfach zu dir fließen.

Wie kannst du dir gute Fragen stellen?

Beginne zu beobachten.

Schule deinen Blick für das was da ist.

  • Was sehe ich hier?
  • Was ist hier passiert?

… könnten deine Fragen sein. Sei Aufmerksam für das was da ist.
zB: Ich sehe einen Abdruck im Boden. Es ist eine Tierspur. Ich sehe Hufabdrücke.

Reflexion 1. Stufe

Erst im nächsten Schritt gehst du mittels der Fragen tiefer, versuchst durch Reflexion (der 1. Stufe) Antworten auf noch ungestellte Fragen zu finden.. 

  • Was bedeutet das, was ich sehe?

zB: Die Hufabdrücke haben die Größe eines Rehs. Sehe ich hier eine Rehspur? Bin ich sicher? Was spricht für ein Reh? Wie viele Merkmale eines Rehabdrucks kann ich erkennen? (Circle back to No 1 Beobachten. Du merkst die Beobachtungen werden immer genauer.) 

Reflexion 2. Stufe

Die Reflexion geht (in 2. Stufe) noch einen Schritt weiter. Du zeihst Schlüsse aus der Reflexion und vervollständigst dein Bild der Situation. 

  • Was lerne ich aus den Beobachtungen?

zB Alles spricht dafür, dass ich eine Rehspur vor mir sehe. Die Hufe zeigen von links nach rechts (besser von Ost nach West). Ich habe die Spur einige Abdrücke lang verfolgen können. Sie zeigen alle von Ost nach West. Das könnte bedeuten, dass das Reh hier langgegangen ist. Von Osten nach Westen. Hier könnte eine Route von ihm/ihr sein. 

Und diese Fragen stoppen einfach nicht, wenn du wirklich wirklich interessiert bist. 
Vlt reicht es dir das herausgefunden zu haben. Das ist voll ok. You made it so far. Mega!
Aber vlt bist du jetzt super neugierig, kommst immer wieder an den Platz zurück, beobachtest immer wieder und reflektierst immer tiefer. Und in ein paar Tagen oder Wochen kennst du vlt die genau Route des Rehs und wann es dieses einen Platz kreuzt, von wo es kommt und wohin es unterwegs ist. Und das alles ohne Druck. Einfach nur weil Frage nach Frage kommt & sie immer tiefer gehen. 

Weitere YEAHs beim natürlichen Lernen

Bei dieser Art des Lernens brauchst du dir auch keine Sorten machen, ob wir uns das Gelernte merken oder es ganz schnell wieder vergessen wirst, wie wir es bei Schulstoff kennen.
Du hast so viel beim Lernen beobachtet und erlebt, Abenteuer begangen, experimentiert – das Lernen ist mit Ereignissen und Erfahrungen verknüpft. Sowas vergesst du dann auch nicht so einfach. Denn es ist ein Teil, der zu deinem geworden ist. Du hast das Gelernte richtig integriert.

Beim natürlichen Lernen fällt das Dranbleiben auch viel leichter. Weil du es ja wirklich wissen willst. Selbst wenn du scheitern & etwas wieder und wieder aus unterschiedlichen Blickwinkeln probieren „musst“. Du bleibst dran, weil du so eine Leidenschaft entwickelt hast hinter deine Frage zu kommen.
Denken wir an Babys und Kleinkinder: Ihr Fokus ist ein Wahnsinn! Sie wollen unbedingt lernen sich zu drehen, zu stehen, zu gehen. Sch*** drauf, dass sie zig Mal fallen. Sie wollen sich unbedingt fortbewegen, wie die Großen & der Drang das zu lernen ist größer als jedes Aua am Knie vom ständigen Hinfallen.

Das ist die Form des Lernens, die ich mehr in meinem Leben haben will.
Weil sie Spaß macht, tief geht & somit wirklich etwas bewegt!

Natürliches Lernen integrieren

Es scheint manchmal gar nicht so leicht zu sein, diese natürliche Form des Lernens zu integrieren.

Zu sehr sind wir auf die Form des erzwungenen Lernens konditioniert: Schnell viel Wissen in uns reinhämmern, etwas auswendig können, viele Fakten abgespeichert haben & allzeit bereit sein sie widerzugeben. Viele Glaubenssätze sind damit verknüpft: Lernen ist anstrengend und fad. Lernen ist ein zacher, langer Prozess, wo uns unsere Hintern vom vielen Sitzen weh tun & wir immer ein steifes Gnack vom aufs Buch runter schauen bekommen. Weil wir lernen müssen, können wir nicht raus gehen und spielen, Abenteuer erleben, das Leben genießen. Zuerst die Arbeit dann das Vergnügen. And so on..

Wie kannst du es aber trotzdem in dein Leben lassen:

Start small

Probier natürliches Lernen mal bei etwas aus, wo du dir keinen Druck machst.

zB bei einem Hobbie, wo du dir keinen Stress machen musst, dass du in 7 Tagen einen großen Test hast & alles wissen musst bzw. wo du dich im Büro im nächsten Teammeeting nicht blamieren willst, wenn du als Einzige:r nicht die neuen 17 Office Rules runterratschen kannst.

Try it

Probiers aber auch tatsächlich aus. Also komm ins Tun.

Wenn du zB ein neues Handwerk lernst braucht es oft ein paar Anläufe, bis das Ergebnis so ist wie du es dir vorgestellt hast, bis es so aussieht wie bei der Person, von der du lernst.

Aber I know. Einfach probieren ist gar nicht so leicht. Passt nicht zu unserem gesellschaftlichen Stil zu probieren & sich auf Scheitern einzulassen, wo das doch so verpönt ist.
Kennen wir das nicht alle? Das erste Mal gemacht, gescheitert & nie wieder probiert. Scheitern, üben, wiederholen ist irgendwie nicht so angesehen..

Aber wie heißt es so schön:

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“

oder

„Sucking at something is the first step of being sort of good at something.“

Also einfach mal tun & schauen was passiert. Und Fehler auch als das feiern was sie sind – die besten Möglichkeiten zu lernen!

Ein anderes Beispiel ist Wissen aneignen. Da finde ich merkt man den Unterschied zw. natürlichem und erzwungenem Lernen noch krasser, als wenn wir zB etwas handwerkliches neu lernen.

Aber auch hier lad ich dich ein es mal zu probieren dir ganz natürlich Wissen anzueignen:

Nimm immer wieder mal einen Pflanzenführer oder ein Vogelbestimmungsbuch her, wenn du wirklich wirklich wissen willst, wen du da siehst.

Bei mir fliegt ein Vogel oft 15x vorbei. 15x wo ich ihn bewusst bemerke ^^. 3x hab ich keine Zeit mir Gedanken zu machen. 12x frag ich mich wer das wohl sei, wie der eigentlich genau aussieht (beim schnellen vorbeifliegen sieht man ja nicht so viel), wo der wohl herkommt, warum der so eine spannende Flügelform hat, oder oder oder. Aber iwie geht das Buch dann doch nie auf. Bis, ja bis zu diesem einen Tag, wo ich sooooo neugierig bin, das gar nichts anderes mehr zählt, als dass ich möglichst schnell mein Buch aufschlag und genau nachforsche, um mir meine Fragen zu beantworten.

Und weißt wie geil der Moment ist, wo ich im Buch blättere & dann DEN EINEN finde, der mir da ständig begegnet & ich endlich weiß wer er ist. Nicht nur den Namen, sondern wie er genau aussieht, wo sie leben, wie sie nisten, … Das ist ein magic Gefühl, das hängen bleibt.

Aber guess what: Ich merk mir nicht immer in die Ewigkeit alle Details dieses Vogels.

Start the process all over again

ABER wenn ich ihn das nächste Mal vorbeifliegt hab ich plötzlich ein Auge für neue Details & dann beginnt der Prozess von vorne. Ich seh immer wieder neue Details, wenn der Vogel vorbeifliegt, bis, ja bis der Moment da ist, dass ich wieder ins Buch reinschau.

Und dann schlag ich die Seite auf ich schwör dir, die hat das letzte Mal nachschauen anders ausgesehen! Da waren nicht so viele Details drinnen. Die Verbindung zu dem anderen Vogel waren nicht mal angedeutet und jetzt plötzlich stehen sie klipp und klapp da. Und diese tolle bunte Feder war ganz sicher auch nicht so deutlich abgebildet.

Die Neugier wirft immer mehr Fragen auf und öffnet so deinen Blick.

Es heißt echt mit Grund lebenslanges Lernen. Aber wenn wir die natürliche Form des Lernens leben, dann ist das echt ein Geschenk und keine Drohung mehr!

Replicate

Scheu dich nicht andere auch mal „nachzumachen“. Schau dir was ab.

Wenn jemand was macht wo du dir denkst: „WOW, MEGA! Wie geil ist das denn?! Möchte ich auch! Wie macht der das?“, dann mach es nach. No shame in that!

Wir glauben ja oft wir müssten das Rad neu erfinden. Ist aber totaler Blödsinn. Wie toll ist es, dass sich schon so viele Menschen vor uns so viele Gedanken gemacht haben & probiert, dass wir auf so einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen können? Es ist genial!

Wiederum – ich kenns auch – es ist in vielen Teilen unseres seins nicht angesehen etwas nachzumachen. Innovationsdruck ist hoch. Aber bei vielen Dingen dürfen wir echt einfach nachmachen & von anderen lernen.

Sich Mentor:innen suchen. Yes, das ist grad wieder in aller Munde. Gut so! Aber wisse, jeder kann Lehrer:in sein – deine Team-Leaderin, dein Kollege, deine Kinder, deine Eltern & Familie, Freunde oder Bekannte. Auch deine Nachbarn oder der Verkäufer beim Bäcker, genauso wie deine Mechanikerin. Und auch Menschen, die du nicht persönlich kennst können Lehrer:innen oder gar Mentor:innen sein.

Lass dich immer wieder von anderen inspirieren, mach’s ihnen nach & lerne mit und von ihnen. Und keine Sorge vor dem Nachmachen! Du wirst kaum so schnell schauen können hast du deinen eigenen Stil:
Stells dir vor wie eine Schneewanderung: Die ersten paar Schritte steigst du in die Abdrücke deiner Lehrer:innen, dann merkst du aber wo dein eigener Weg ist und beginnst deinen eigenen Weg zu gehen. Immer wieder am Weg findest du Spuren, die du ein paar Schritte nutzt und in sie hineinsteigst, um von ihnen zu lernen. Aber du verfolgst weiterhin deinen Weg und hinterlässt kontinuierlich auch deine eigenen Abdrücke.

Ask continuously

Fragen sind dein Antriebsmotor!

Allem was ich oben gesagt habe liegt eines Zugrunde: Fragen stellen!
Wenn du neugierig bist ergeben sich natürlich immer und immer wieder neue und immer tiefer gehende Fragen.

Lerne die Kunst des Fragen Stellens & du lernst zu lernen.

Du hast es in den Beispielen oben vielleicht schon bemerkt.
Fragen stellen verändert alles. Fragen bringen deine Neugier in Form, bündeln und fokussieren sie. So kannst du erst wirklich zielgerichtet lernen.

Aber diese Fragen müssen aus DIR herauskommen. Es muss zu deiner Leidenschaft werden deinen Fragen auf den Grund zu gehen!

Never forget

Egal was du tust, vergiss nie:

FOLGE DEINER FREUDE, DEINER NEUGIER, DEINEM INTERESSE.

Tust du das wirst du immer einen mords Spaß beim Lernen haben! Denn du wirst deinen eigenen Weg finden – wie du gut lernst & lebst.

Disclaimer

Zu guter Letzt noch ein kleiner Disclaimer:

Ich bin keine Bildungswissenschaftlerin, Lehrerin, Erzieherin oder hab nichts mit Bildung studiert oder beruflich damit mit Bildung zu tun.
Was ich zu Bildung weiß sind meine persönlichen Erfahrungen als Studentin, Schülerin, interessierten & vorausblickender Mama & als neugieriger Mensch.
Außerdem habe ich für eine Organisation gearbeitet, die sich für mehr Bildungsungerechtigkeit einsetzt und ich hatte einen Job, der eine Lücken gefüllt hat, die das Bildungssystem produziert.
Aus all diesen Perspektiven habe ich ein Bildungssystem kennen gelernt, bei dem Drill, Leistungsdruck, Vergleiche, in ein Schema pressen und Scham leider sehr präsent sind.

Es machen viele Lehrer:innen einen wunderbaren Job, sind mega engagiert & geben so viel, um ihren Schüler:innen weit mehr als nur den Unterrichtsstoff zu vermitteln! Trotzdem hab ich immer wieder das Gefühl das System für „unideal“. (Aber nein, ich hab keine Lösung des Problems parat!)

Vor einigen Jahren durfte ich als Schülerin erfahren was natürliches Lernen ist und was es mit uns macht. Ich war anfangs verwirrt – es war so anders als ich es kannte. Plötzlich wurden Fragen in den Raum gestellt. Fragen auf die ich nie gekommen wäre, die ich mich nie fragen getraut hätte. Worte vermögen es vlt. nicht umfassend darzustellen was es bedeutet auf diese Art natürlich zu lernen und gelehrt zu werden.
Mir wurde altes Wissen, alte Wege anvertraut. Unterstützung wie ich oder wir zu einer natürlichen, leichten und freudvollen Form des Lernens zurückzukehren. Diese Einblicke sind in den Artikel eingeflossen. Diese persönlichen Erfahrungen habe ich hier geteilt.

Wie lernst du?
Was funktioniert für dich?
Bei welcher Form des Lernens hast du richtig Spaß?

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