Less Waste

Der Guppyfriend Waschbeutel – kein Mikroplastik aus der Wäsche mehr im Abwasser

Synthetische Fasern aus der Wäsche, die im Abwasser landen und dort Umweltschäden verursachen? Darüber habe ich bis vor kurzem nie nachgedacht.. 
Vor einiger Zeit habe ich mir aber einen Guppyfriend Waschbeutel1 zugelegt, um mir das Problem etwas bewusster zu machen, vlt gleich eine kleine Verbesserung meiner Situation zu erreichen und mit noch ein bisschen mehr mit dem Thema „Less Waste“ zu beschäftigen.

Den Washing Bag habe ich schon vor längerem bei einer „Zero Waste- Instagrammerin“ (sorry, keine Ahnung mehr welche) gesehen. Damals war ich aber zu faul, um mich genauer zu informieren. 
Letztens habe ich den Guppyfriend Washing Bag – wie kann’s anders sein – auf Instagram wiederentdeckt und zwar in einer Story von „einjahrimglas“ (eine österreichische Zero Waste Bloggerin). Sie hat via Instagram verraten, dass die Waschbeutel als Angebot in einem Supermarkt erhältlich waren. (Danke dafür!) „Na wenn es so einfach geht“, hab ich mir gedacht, bin losgestartet und hab mir einen Guppyfriend Washing Bag besorgt.

Das Produktversprechen des Waschbeutels

Wir alles wissen, dass (Mikro-)Plastik in den Meeren oder Gewässern mittlerweile ein echtes Problem ist.
Ich würde behaupten verhältnismäßig wenige Leute (mich inklusive) machen sich allerdings Gedanken, dass in unserer Kleidung auch synthetische Materialien – also Plastik – enthalten sind, die durch’s waschen in unsere Abwässer und somit in den Wasserkreislauf gelangen. Und vom „in den Wasserkreislauf“ gelangen bis zu „in Tiere“ und/oder „in den menschlichen Körper“ ist es ja eher nur mehr ein kleiner Schritt.

Und wenn ich so in die Markerl meines Gewands sehe, finde ich da auch erstaunlich bzw. erschreckend oft irgendwelche Synthetik-Anteile.

Gängige Synthetikfasern in unserer Kleidung sind etwa Polyester, Polyamid, Elastan, Acryl, Nylon, Viskose oder Lycra.
Glaubt man Greenpeace2 enthalten mittlerweile 60% aller Kleidungsstücke weltweit Polyester. 

Das Problem mit solchen Synthetikfasern ist, dass sie während eines Waschgangs abbrechen und sich dabei aus der Kleidung lösen. Wenn das Wasser aus der Waschmaschine dann abgepumpt wird gelangen sie so auch ins Wasser.

Der Waschbeutel soll verhindern, dass diese synthetischen Fasern, die abbrechen, ins Abwasser gelangen, indem der Beutel sie auffängt. Nach dem Waschen (bzw. nach ein paar Waschgängen) können die Fasern, in Form von Flusen, dann einfach aus dem Washing Bag genommen und im Restmüll entsorgt werden.

Guppyfriend Waschbeutel

Marketing-Gag oder funktioniert’s wirklich?

Selbst ein wenig skeptisch habe ich ein Zeiterl gebraucht, um mir den Guppyfriend Washing Bag anzuschaffen. Weil er aber im Supermarkt so leicht verfügbar war, habe ich ganz euphorisch zugeschlagen.
Als ich dann aber Freundinnen voller Freude von meiner Neuanschaffung berichtet habe, haben mich sofort kritisch fragende Blicke durchbohrt. „Funktioniert das wirklich? Filtern Kläranlagen nicht eh alles raus? Ist das nicht vlt. nur ein Marketing-Gag, mit dem sich bei übermotivierten, möchtegern (Um-)WeltretterInnen viel Geld verdienen lässt?“ Ja, da musste ich erstmal schlucken. Bin ich auch einer von diesen naiven Menschen, die alles kaufen weil „umweltschonend“ darauf steht?
Hm. Deshalb hab ich mittlerweile ein bisschen genauer recherchiert.

Also: Ganz klar – Allheilmittel ist der Guppyfriend Washing Bag sicher nicht. Selbst laut Herstellern eher eine Zwischenlösung bis auf allzu viel Plastik in der Kleidung verzichtet wird.

Testergebnisse

Laut Hersteller Gruppyfriend

Guppyfriend veröffentlicht auf der Produktwebsite (Kategorie FAQ „Wer hat den Guppyfriend Waschbeutel getestet“) folgende Studienergebnisse:

Der Washing Bag verhindert Faserverlust auf zwei Arten:
Erstens reduziert sich durch die Benutzung des Beutels die Anzahl der abgebrochenen Fasern. (Guter Nebeneffekt davon sei, dass Kleidung länger hält und wir sie länger tragen könnten.)
Zweitens werden Plastikpartikel im Waschbeutel festgehalten und gelangen so nicht ins Wasser. Laut Angaben des Herstellers werden über 90%, oft sogar 100%, der synthetischen Fasern im Beutel gehalten. Allerdings (!) Nanopartikel können nicht zurückgehalten werden und gelangen trotz des Washing Bags ins Abwasser. 

Weitere Testergebnisse:
Der Washing Bag selber ist nicht toxisch und die Wäsche wird trotzdem sauber. (Das mit der Sauberkeit kann ich nach einigen Waschgängen bestätigen. Bei mir ist alles rein geworden und ich hab keinen Unterschied in der Sauberkeit der Wäsche bemerkt seit ich sie in den Beutel stopfe.)
Der Hersteller gibt aber auch an, dass die Anzahl der abgebrochenen Fasern von der Kleidung und den Waschkonditionen abhängig ist. (Hm, gute Frage – wie sind denn die Waschkonditionen bei meiner Maschine?).
Was ich „erschreckend“ fand war die Aussage, dass der Beutel 50 Haushaltswäschen übersteht ohne Plastikpartikel durchzulassen. Na hoffentlich mehr! Ich weiß nicht, ob sich die Investition und der Ressourceneingang in einen Waschbeutel lohnt, wenn er nur 50 Wäschen das Produktversprechen hält..

Der Prüfbericht des Deutschen Textilforschungszentrums Nord-West ist zusätzlich auf der Herstellerseite einsehbar3.

Zum Punkt Kläranlagen

Guppyfriend meint, dass Kläranlagen technisch einfach noch nicht so weit sind, dass Mikroplastik vollständig herausgenommen wird. Selbst wenn Plastik gefiltert wird landen die Partikel über den Klärschlamm, der oft als Dünger auf Felder ausgebracht wird, wieder in der Umwelt.

Auch das österreichische Umweltbundesamt4 gibt an, dass Kläranlagen unter anderem zu den Hot Spots für Mikroplastik-Kontaminationen der Umwelt zählen.

Untersuchungen nach weißen Kläranlagen zwar eine hohe, aber keine 100%ige Reinigungswirkung auf.
Große Mengen von Plastikpartikel werden im Klärschlamm gebunden. In Österreich wird Klärschlamm vorwiegend verbrannt, aber auch große Mengen wieder ausgebracht. Sieht man sich etwa ganz Europa an wird mehr als ein Drittel des Klärschlamms als Dünger eingesetzt bzw. ein noch größerer Anteil deponiert. Hier kann also tatsächlich wieder viel Mikroplastik, das im Klärschlamm gebunden war, durch Ausbringung auf landwirtschaftlichen Flächen, durch Wind, Regen oder Versickerung in die Böden und somit dem Umweltkreislauf gelangen.

Weitere unabhängige Testergebnisse

Neben dem auf der Hersteller-Website veröffentlichten Prüfbericht des Deutschen Textilforschungszentrums Nord-West lassen sich bei einer flotten Internetrecherche kaum Ergebnisse finden. Auf der Hersteller-Website im der Kategorie „Presse“ lassen sich auch einige Medienberichte finden, aber da könnten ja kritische einfach nicht dabei sein.

Es wird jedoch immer wieder (auch von Guppyfriend selber) darauf hingewiesen, dass der Washing Bag (oder auch Produkte mit ähnlichem Ziel) nur Zwischenlösungen sein können. Das Problem, dass massenhaft synthetische Fasern in Kleidung und sonst verarbeitet und gekauft werden (Stichwort Fast Fashion) bleibt bestehen.

Warum ich den Waschbeutel trotzdem für eine gute Idee halte

Unabhängig davon, ob so ein Waschbeutel eine 100%ige Lösung ist (was ich nicht denke) aber ich halt’s trotzdem für eine prinzipiell gute Sache. 

Dafür stehen für mich diese drei Gründe ganz besonders:

Bewusstsein schaffen

Zuallererst: Ich glaube es schafft Bewusstsein.

Ich habe mir die Markerl in meinem Gewand noch nie so genau angesehen. Vlt. überlege ich mir beim nächsten Einkauf ja ein 2. Mal, ob ich wieder ein Teil mit so hohem oder überhaupt einem Synthetik-Anteil brauche.

Kleine Schritte bei viele Leute machen viel aus

Sollten sich viele Menschen, durch ein Produkt wie den Guppyfriend Waschbeutel, Gedanken über die Kleidungsindustrie oder den Plastikanteil in ihrem Gewand machen, so können viele kleine Schritte sicher viel bewegen.
Mikroplastik aus Kleidung ist sicher nur ein sehr kleiner Teil des Problems (Plastikflaschen, Autoreifen, Industrieabfälle, Kosmetik etc. dürfen sicher nicht außer Acht gelassen werden.), vlt. werden auch nicht 100% der synthetischen Fasern durch den Guppyfriend Washing Bag gefiltert, aber es ist vlt. schonmal ein Anfang.

Und wie heißt es so schön: „Kleinvieh macht auch Mist“. Ich glaub ja nicht so daran, dass es am sinnvollsten ist, dass wenige Menschen ihr Leben komplett umkrempeln und so Veränderungen bewirken. (Hat sicher eine super Vorbildwirkung und mag auch motivieren – insofern ist das schon gut, dass es auch diese Menschen gibt – aber die wirkliche Veränderungen denke ich bringt’s nicht.) Ich glaub eher, dass es zielführender ist, wenn sehr viele Menschen beginnen gewisse Gewohnheiten zu überdenken und ihr Leben ein wenig zu verändern. Also wenn jetzt sehr viele Leute über Plastik in Kleidung nachdenken und Kleinigkeiten bei sich ändern ergibt das insgesamt wohl eine große Veränderung, oder?!

Kein schlechter Workaround

Auch wenn viele Menschen ein bisschen verändern. Immer nur auf alles verzichten ist auch ein Schas. Der Wäschesack sollte sicher nicht dazu verleiten weiterhin lauter „Plastik-Gewand“ aus synthetischen Fasern zu kaufen, weil man ja jetzt eh filtert. Wenn man nur Kleidung aus natürliche Fasern kauft und trägt ist das wohl besser. Aber wenn man mal auf ein schönes Teil nicht verzichten mag, nur weil auch auch synthetische Fasern darin enthalten sind, scheint mir der Work-Around mit Waschbeutel keine schlechte Lösung zu sein, damit zumindest nicht allzu viel Mikroplastik ins Abwasser gespült wird.

Wie wird der Guppyfriend Waschbeutel verwendet

Die Verwendung ist echt super easy. Das ist glaub ich auch das A und O, sonst würde es eh keiner benutzen.. 

Einfach die Wäsche mit Synthetik-Anteil in den Beutel stopfen. Diesen dabei aber nicht zu voll machen (nur zu ca 2/3). Den gefüllten Wäschesack einfach in die Waschmaschine schmeißen. Restliche Schmutzwäsche in die Waschtrommel dazu. Und los geht’s mit dem ganz normalen Waschgang.

Was vlt noch zu beachten ist: Max. bei 40°C waschen, nur Waschmittel ohne Kunststoffe verwenden (genaue Info unter FAQ „welches Waschmittel verwenden“ auf der Hersteller-Website) und der Waschbeutel darf nicht in den Trockner. Außerdem nicht übermäßig Schleudern bzw. wirklich auch zusätzliche Wäsche mitwaschen, um die Umwucht, die durch einen Wäschesack entsteht, zu vermindern und die Waschmaschine nicht zu beschädigen.

Eine genaue Beschreibung gibt’s eh mit dem Washing Bag mitgeliefert. Ist aber sehr unkompliziert und wie „normales“ Wäschewaschen. 

Und nach ein paar Wäschen findet man dann Flusen im Washing Bag. Diese einfach rausnehmen und in den Restmüll werfen.

Keine Hexerei, was?!

Guppyfriend Waschbeutel

Meine Erfahrungen mit dem Waschbeutel

Ich habe mittlerweile einige Wäschen mit dem Guppyfriend Washing Bag gewaschen. 

Also: Es ist echt unkompliziert. Das einzige was man machen muss ist Wäsche in den Waschbeutel stopfen und sonst ganz normal waschen wie immer. 

Zu meiner Enttäuschung habe ich trotz einiger Waschgänge noch nichts im Washing Bag gefunden. Woran könnte das liegen?

Ältere Kleidung verliert mehr Fasern. Ich hab in letzter Zeit tatsächlich sehr viel Neues gewaschen, weil ich das ganze neu geschenktes Babygewand durchwaschen.

Außerdem lösen sich bei hohen Temperaturen eher Mikrofasern aus Kleidung heraus. Ich wasche jedoch selten (außer ganz bestimmte Sachen) über 30°C. Ich denk mir immer mein Gewand wird eig. kaum dreckig und bissi Schweiß würde eig. mit einmal kurz ausschwappen schon raus gehen, also warum eigentlich heiß und mit viel Waschmittel waschen?

Laut Hersteller brechen bei Gebrauch des Guppyfriend Washing Bags überhaupt weniger Fasern ab, also wird man weniger im Beutel finden, als man ins Abwasser ablassen würde. Ok, hm – das kann man jetzt glauben oder nicht.

Aber auch wenn ich noch keine Flusen gefunden habe denke ich mir: „Hilfts nichts, schadets nichts.“ Also ich bin zufrieden mit meiner Anschaffung und werde den Wäschebeutel weiterhin verwenden. 

Eure Meinung?

  • Kennt ihr Guppyfriend oder überhaupt Waschbeutel, mit dem Ziel Mikroplastik zu filtern?
  • Was haltet ihr davon?
  • Würdet ihr euch so ein Teil anschaffen?

Ich würde mich voll über den einen oder anderen Kommentar von dir/euch und Meinungsaustausch freuen. Gerade auch die Skepsis einer Freundin hat den Betrag befeuert, also wären eure Gedanken zu dem Thema für mich umso interessanter! 

Disclaimer: Ich habe den Guppyfriend Washing Bag selber gekauft und bezahlt und bekomme weiters auch von niemandem irgendwas, um den Beitrag zu schreiben.

Quellen:
1 Website des Herstellers Guppyfriend: http://guppyfriend.com/
2 Greenpeace: https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/i03971-20170718-greenpeace-flyer-mikrofaser.pdf
3 Testbericht des Detuschen Textilforschungszentrums Nord-West auf der Website des Herstellers Guppyfriend: http://guppyfriend.com/wb_test
4 Umweltbundesamt „Mikroplastik in der Umwelt“ (insb. S. 19f): https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/REP0550.pdf
Naturschutz.ch: https://naturschutz.ch/tipps/nachhaltig-leben/guppy-friend-waschbeutel-kein-durchkommen-fuer-mikroplastik/115043
Utopia: https://utopia.de/ratgeber/guppyfriend-wie-empfehlenswert-ist-der-waschbeutel-gegen-mikroplastik/

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