Natur

Sitzplatz? Was soll das denn sein?

Sitzplatz

Was hat’s denn mit „dem Sitzplatz“ auf sich?
Nein, es geht nicht um den Lieblings-Fauteuil, der zu Hause vor dem Kamin oder Fernseher steht…
Hier erfahrt ihr jetzt was der Sitzplatz ist & wie das Konzept funktioniert:

Was ist der Sitzplatz?

Dein Sitzplatz ist einfach ein Ort an dem du dich hinsetzt.
Easy, oder?!

Worum geht’s beim „sitzplatzen„?!

Es handelt sich um eine Kernroutine, die dir dabei hilft dich mit deiner Umgebung vertraut zu machen, deine Aufmerksamkeit & Achtsamkeit zu schulen und deine Sinne zu schärfen.

Wie funktioniert’s?

  • Such‘ dir einen Platz in deiner näheren Umgebung. Idealerweise maximal 10 Minuten von deinem Wohnzimmer entfernt.
  • Dieser Platz sollte zu dir passen & dich anziehen und faszinieren.
  • Setz‘ dich einige Minuten still & bewegungslos nieder. Beobachte, höre & spüre was um dich herum passiert.
    • Starte mit kürzeren Intervallen, 5, 10 oder 15 Minuten. Nach und nach kannst du das dann auf 30 oder gar 60 Minuten ausdehnen.
      Am Anfang kann es nämlich recht schwierig sein länger still an einem Platz zu sitzen ohne über sich, die Arbeit/Uni/Schule, die Kinder oder sonst etwas nachzudenken.
    • Bleib wirklich ruhig sitzen. Je bewegungsloser du bist, desto höher ist die Chance, dass du entdeckst was dich umgibt – zB Tiere.
    • Beobachte: Öffne deinen Blick anstatt zu fokussieren. Wenn du das öfter übst wirst du schnell bemerken, wie viel mehr du plötzlich wahrnimmst.
      Höre: Spitz‘ die Ohren und konzentriere dich mal darauf was du alles hören kannst – den Wind in den Blättern, das Zwitschern von Vögeln oder das knacken von Ästen..
      Spüre: Es gibt so viel was du über dein größtes Sinnesorgan – die Haut – erfahren kannst. Etwa den Wind und aus welcher Richtung er weht, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder die Sonne, die deine Haut wärmt.
  • Gehe idealerweise täglich zu deinem Sitzplatz. Im Bestfall geh immer zum gleichen Ort und das täglich, damit du diesen einen Ort wirklich wirklich gut kennen lernst.

Was bringt’s?

Einerseits ist es eine super Zeit, um mal runter zu kommen. Es entspannt einfach, sich ein kleines Zeitfenster zu schaffen, in dem es nur darum geht im hier und jetzt zu sein und zu sehen was passiert.

Andererseits ist es eine Zeit in der man total inspiriert wird und nachher sofort lernt. Du siehst und hörst plötzlich Dinge, die vorher noch nicht da waren. Ich zücke nachdem ich fertig gesessen bin meist noch an Ort und Stelle mein Handy und beginne zu googeln: Was war das für ein Vogel, der da geflogen ist bzw. den ich gehört habe? Welche Bäume haben mich umgeben? In welche Himmelsrichtung habe ich geschaut? …

Dadurch, dass man sie einmal bewusst wahrgenommen was einen umgibt, wird auch die Neugier und die Wissbegierde angeregt.

Ganz genau kannst du darüber & über vieles vieles mehr im „Coyote-Guide“ nachlesen. Das ist ein Buch in dem du Wege zu einer tieferen Verbindung zur Natur kennen lernst. Ich habe mir die 2 Bände des Coyote-Guides vor ein paar Monaten gekauft & ich kann es sehr empfehlen – ist gut geschrieben und es sind viele gute Tipps enthalten. (Der Link führt übrigens zum Shop von Nawisho, bei dem ich meine Ausbildung machen.) 

Tipps aus meiner Praxis

Sitzplatz-Routine abwandeln und in alltägliche Wege einbauen

Ich bin leider auch oft sehr inkonsequent & habe es noch nicht geschafft die Sitzplatz-Routine in meinen Alltag in Wien zu integrieren. Gerade in der Stadt fällt es mir schwer, weil ich keinen Ort habe zu dem ich schnell gehen kann, wo auch wirklich Natur (und nicht nur Hunde-Gacki) ist.

Meine Lösung:

  1. Ich achte einfach auf meinen normalen Wegen (ohne mich hinzusetzen) auf meine Umgebung – egal ob beim Gassi gehen mit dem Hund, am Weg in die Uni oder zum Arzt. Meine Devise: aufmerksam sein und Fragen stellen, egal wo ich bin:
    „In welche Himmelsrichtung sehe ich? Welche Vögel sehe ich? Kann ich noch andere Tiere ausmachen – Schmetterlinge, Mäuse, Grashüpfer, Spinnen oder vielleicht sogar Hasen, Rehe, Füchse? Welche Bäume oder Sträucher sehe & kenne ich? Welches Gewächs duftet hier so gut?“
  2. Ich baue das „sitzplatzen“ bei verschiedenen Freizeitbeschäftigung mit ein. Zum Beispiel kannst du dich vor oder nach deiner Jogging-Einheit im Park noch kurz unter einen Baum setzen. Baue in deinen Spaziergang mal eine 10-30 Minuten Sitzplatz-Session ein. Liest du ab und zu ein Buch im Park? Das nächste mal schau einfach ein paar Minuten auf und beobachte, was um dich herum passiert. Und auch die „Stubenhocker“ können „sitzplatzen“ – am Balkon oder am Fensterbankerl. 😉

Timer stellen

Weiters passe ich die Dauer meines Sitzplatz-Besuchs immer an meine derzeitige Situation an. Wenn ich zB viel Stress habe lege ich eine kürzere Zeit fest. Ich stelle mir am Handy für 10-15 Minuten einen Timer. In der Zeit bin ich dann frei und muss nicht auf die Uhr sehen oder unruhig sein, weil ich vielleicht zu lange brauche.

Sitzen wo es mich gerade hinzieht

Ich wechsle auch meine Plätze. Ich hab noch  nicht DEN EINEN Platz gefunden und deswegen setze ich mich einfach dort hin wo es mich in dem Moment gerade hinzieht.

Sitzen auf sein Leben abstimmen

Zuletzt noch – ich habe in den vergangenen Monaten gelernt nicht immer unzufrieden mit mir selbst zu sein, weil ich nicht so konsequent bin wie vlt. jemand anderer (ich vergleiche mich immer wieder mit den anderen TeilnehmerInnen aus meinem Natur- und Wilnistrainer Kurs).
Ich lebe in Wien und habe keinen eigenen Garten in den ich mich setzen kann. Ich muss mindestens eine halbe Stunde gehen, um einen halbwegs netten Platz zum sitzen zu finden. Auch deshalb gehe ich bei weitem nicht täglich – wie es eigentlich empfohlen wird – auf meinen Sitzplatz. Aber was solls‘. Passt die Empfehlung eine Sitzplatz aufzusuchen einfach an euer Leben an & geht so oft an euren Sitzplatz wie es euch gut tut und zu euch passt. Besser weniger, als täglich hinrennen und jeden Tag genervt und gestresst deswegen sein – das verfehlt das Ziel auch.

 

Trotzdem. Mein gewichtigster Tipp: Probiert das „sitzplatzen“ unbedingt mal aus! Es ist wirklich eine tolle Erfahrung.
Bzw. probiere es vlt. 2-3 Mal aus.. beim aller ersten Mal ist es noch viel zu seltsam, um es wirklich zu genießen. Zumindest war es bei mir so. (;

 

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