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SAMMELETHIK – DANKBARKEIT BEIM PFLANZEN SAMMELN

Eines der ersten Schlagworte, dass ich in Verbindung mit Kräuter und Pflanzen sammeln immer gehört habe, ist Sammelethik.

Bei dem Thema geht’s einfach darum, dass man nicht wild sammelt und vor lauter Sammelwahn aus den Augen verliert wie viel und in welcher Art und Weise man sammelt.

Achtsamkeit und Dankbarkeit. Wenn man das im Kopf behält, denke ich hat man schon gewonnen.

Sammelethik – Was bedeutet das genau?

Ethik bedeutet ja ein moralisches, sittliches Verhalten.

Sammelethik beschreibt nichts anderes, als moralische, gute und verantwortungsbewusste Handlungsmuster beim Pflanzen sammeln.

Also was fällt da praktisch darunter:

1) Achtsam sein.

Abreißen statt ausreißen.

Wenn ich die Wurzel ausreiße, dann ist wirklich die ganze Pflanze weg.

Deshalb schneide ich bzw. kappe den Stängel mit den Fingernägeln und reiße die Pflanze nur ab , wenn ich das Kraut brauche.

Ist es wirklich nötig, die Pflanze abzureißen?

Wenn ich die Blume etwa nur anschauen und bewundern möchte kann ich mich ja auch einfach bücken oder auf den Boden setzen und kann sie mir ausführlich ansehen. Dafür muss ich sie ja nicht pflücken.

Wie viel brauche ich wirklich?

Wenn ich vor habe die Pflanze zu verarbeiten überlege ich mir vorher wie viel ich brauche und pflücke auch nicht mehr als nötig.

Wie viel pflücken verträgt der Standort?

Ich reiße nie wild an einem Standort alle Pflanzen aus, die ich sehe und rotte damit den ganzen Bestand aus. Ich nehme immer nur so viel, wie ich denke, dass der Standort verträgt.

Wenn ich das Gefühl habe, dass ich mehr brauche als der Standort verträgt gibt’s für mich 2 Lösungen: 1. Ich schraube meine Ansprüche runter und „brauch“ dann weniger. Oder 2. ich suche einen weiteren Standort der Pflanze und sammle dort weiter. (Gerade wenn ich keinen weiteren Standort kenne oder jetzt sofort anfangen will, kommt bei mir dann Lösung 1 zum Einsatz :D)

Wo sammle ich?

Erste Regel natürlich: Nur dort wo ich darf. Ich grase selbstverständlich keinen Privatgrund von fremden Leuten ab. Eh klar, oder?! ^^

Gerade wenn die Pflanze irgendwie zum Verzehr vorgesehen ist versuche ich mir immer gründlich zu überlegen wo ich sammeln kann. Also nicht wo gerade Gift gespritzt wurde, bei Bahngleisen (da wird immer viel gespritzt), nicht direkt bei einer Mülldeponie oder neben einem Friedhof oder ähnlichem. Halt nirgends wo Dinge im Boden sind, die man nicht unbedingt essen will.. (Und vor dem Verzehr wasche ich die Pflanzen dann auch einmal mit Wasser ab.)

2) Dankbar sein.

Dankbar sein ist für mich tatsächlich nicht mit einer bestimmten Handlung verbunden. Ich persönlich sag oder tu nichts bestimmtes.

Für mich geht’s dabei mehr um eine Geisteshaltung, um ein Gefühl.

Und, ich muss gestehen: Das mit der Dankbarkeit ist etwas sehr Neues und auch Schwieriges für mich. In meinem „normalen“ Leben bin ich nie mit dem Thema in Berührung gekommen – keiner war dankbar für irgendwas, jeder war nur verärgert über die Dinge, die er/sie nicht hatte. (Natürlich überspitzt ausgedrückt, aber Dankbarkeit war keineswegs etwas mit dem ich direkten Kontakt hatte oder ein Thema, das dezidiert ausgesprochen wurde.) Erst bei meinen Natur-Kursen habe ich mich erstmals damit auseinandergesetzt.
Und auch wenn es irgendwie schwer ist, es tut schon gut sich damit zu beschäftigen wofür man dankbar ist.

Mittlerweile habe ich aber meinen Weg der Dankbarkeit gefunden.

Bei den LehrerInnen bedanken.

Ich rufe mir auch gerne die Leute bzw. LehrerInnen ins Bewusstsein, die mir das alles beigebracht haben. Die mir Sammelethik nähergebracht haben. Die ihr Wissen über die Pflanzen mit mir geteilt haben. Die sich Zeit genommen haben und überhaupt mein Interesse für Pflanzen und die Natur geweckt haben.

Dazu gehören dann auch die Vorfahren, die erkundet haben, was Pflanzen alles können, was ihre Wirkstoffe bewirken und wie sie diese Wirkung am besten entfalten.

Ich mein unglaublich, wie Menschen vor zig Tausend Jahren schon Medizin hatten, einfach weil sie ausprobiert haben, Pflanzen kennen gelernt haben und schließlich ihre Wirkung erforscht und angewandt haben. Stellt euch das mal vor: Die sitzen vlt. in einer Höhle und der Medizinmann (oder -frau) kennt 750 Pflanzerl und kann was mit denen anfangen. Und damals gabs aber weder Google, Wikipedia – das Internet – oder irgendwelche schlauen Bücher. Unfassbar ist das für mich.. und so genial!

Bei Mutter Natur bedanken.

Außerdem versuche ich auch immer so in ein spezielles Gefühl reinzukommen. Dafür überleg ich mir ganz kurz wie geil das eigentlich ist, dass die Natur – Mutter Erde – uns alles zur Verfügung stellt was wir brauchen und genau wann wir es brauchen. Was es im Frühling wächst gibt uns Kraft und vitalisiert, was im Herbst wächst ist besonders gehaltvoll und lässt uns Reserven für die harte Winterzeit anlegen.

Es ist alles da: Nahrung, Heilmittel, Baumaterial, Lebensraum,…

Und in so einer Grundhaltung lässt es sich für mich dann auch gut suchen und sammeln.

Bei der Pflanze bedanken.

Also am naheliegendsten ist natürlich das Bedanken bei der Pflanze selber.

Wie man das macht bleibt jedem selbst überlassen und ich denk es ist auch für jeden was anderes richtig.

Ob mit der Pflanze reden, ein gedankliches Sprücherl oder eine bestimmte Handbewegung. Egal.

Ich glaub, oder für mich, geht’s dabei eigentlich darum, dass ich mir bewusst bin, dass ich der Pflanze gerade etwas wegnehme – einen Teil von ihr oder gar ihre gesamte Existenz – und ich möchte dann zumindest mit einer wertschätzenden Geisteshaltung an die Sache rangehen und nicht mit Wurschtigkeits-Gefühlen oder überhaupt ganz unüberlegt und unreflektiert.


Genau. Das sind so meine Gedanken zur Sammelethik.

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